Krancafé, Hitdorf

Krancafé, Hitdorf

Rast am Rhein. Kaffee, Kuchen, Frikadellen. Das wiedereröffnete Krancafé gibt dem neugestalteten Hafenplatz in Hitdorf seinen gastronomischen Anker. Ich lege hier eine Pause ein.

Die Sonne lacht über Hitdorf. Warum also nicht einen kleinen Sidestep an den Rhein machen? Außerdem möchte ich mir endlich den neugestalteten Hafenplatz anschauen. Wer über den Platz flaniert, steuert fast automatisch auf das Krancafé zu. Ein Blick über das Geländer: Da unten dümpeln zwei Hausboote in der Marina, dahinten zieht der Rhein vorbei. Viel mehr Kulisse braucht eine Pause eigentlich nicht.

Ich bleibe vor dem Kran stehen und schaue nach oben. Die alte Führerkabine ist gerade frei. Da will ich hin. Mein erster Weg führt mich allerdings in den neuen Servicebau des Krancafés. Hier befinden sich Gastraum, Tresen und sanitäre Anlagen. Eine Treppe führt hinauf, für alle, die mit Stufen Schwierigkeiten haben, gibt es einen Lift. Das ist an einem Ausflugsziel am Rhein nicht ganz unwichtig. Schließlich sind hier nicht nur durchtrainierte Rennradfahrer unterwegs.

Oben leuchtet mir über dem Tresen das Angebot entgegen, hinter dem Tresen lächeln mich Jasmin und Regina an. Das Prinzip des Krancafés ist seit jeher einfach: Selbstbedienung. Anstellen, aussuchen, mitnehmen, Lieblingsplatz suchen. Vor mir steht eine Dame vor einer schwierigeren Entscheidung. Käsetorte? Zwetschge? Apfel? Ich habe es leichter. Mir ist nach etwas Herzhaftem. Bockwurst mit Kartoffelsalat wäre der Klassiker. Ich entscheide mich für die kleinen Fleischbällchen mit Currysauce und nehme dazu ein alkoholfreies Zitronen-Weizen.

Es geht fix. Und jetzt beginnt die eigentliche Herausforderung dieses Besuchs: Wo setze ich mich hin? Drinnen? Auf die große Terrasse? Direkt mit Blick aufs Wasser? Da sehe ich, dass oben im Kran die Führerkabine frei geworden ist. Keine Frage. Ich balanciere mein Tablett die Treppe hinunter, hinüber zum Kran und wieder hinauf. Gastronomie mit eingebautem Fitnessprogramm. Oben angekommen, werde ich mit einem herrlichen Blick belohnt. Der Rhein breitet sich vor mir aus. Auf dem Tisch vor mir Fleischbällchen in Currysauce. Das hat etwas. Die kleinen Frikadellen sind genau das, was sie sein wollen: ein unkomplizierter, herzhafter Imbiss. Dazu das kühle Weizen. Für eine Rast am Rhein braucht es keine kulinarische Dramaturgie in sieben Akten.

Viel interessanter ist ohnehin der Platz, an dem ich esse. Es ist gemütlich hier oben. Und ein bisschen melancholisch. Wo heute Menschen bei Kaffee, Kuchen und Curryfrikadellen auf den Rhein schauen, wurde früher gearbeitet. Richtig gearbeitet, denn in Hitdorf gab es Zündholz- und Tabakfabriken. Der Kran war kein Aussichtspunkt mit gastronomischem Anschluss, sondern Arbeitsgerät. Zeiten ändern sich. Das gilt auch für die Aussicht. Richtig schön ist es hier geworden.

Ich habe noch Lust auf etwas Süßes und einen Cappuccino. Also wieder zurück zum Tresen. Dieses Mal spare ich mir die Kletterpartie und suche mir draußen einen Platz mit direktem Rheinblick. Kaffee. Kuchen. Schiffe gucken. Manchmal ist das gastronomische Leben erfreulich unkompliziert. Und genau darin liegt für mich die Stärke des Krancafés. Es ist ein Ort für den Zwischenstopp. Für Spaziergänger*innen, Radfahrer*innen, Ausflügler*innen. Für Menschen, die auf den Rhein schauen und dabei eine Bockwurst, ein Stück Kuchen oder eben ein paar Fleischbällchen essen möchten. Mit der Wiedereröffnung des Krancafés hat auch der neugestaltete Hafenplatz sein gastronomisches I-Tüpfelchen bekommen.

Ich bleibe noch ein bisschen sitzen. Vor mir der Rhein. Hinter mir der alte Kran. Ich lasse es mir gutgehen auf dem neuen Hafenplatz, der gar nicht viel Spektakel braucht, um zu funktionieren. Aber in Zukunft sollen hier auch Feste und Märkte stattfinden.

Im Hier und Jetzt? Ein Platz zum Gucken, Klönen, Kaffeetrinken. Und zum Nichtstun.

Euer Testesser

Hendrik Neubauer

Rheinstr. 91, 51371 Leverkusen-Hitdorf

Krancafé